Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie

Infektion, Immunität und Lungenentzündung

 

Die Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie beherbergt den einzigen deutschen Lehrstuhl für Infektiologie. Als DGI-zertifiziertes Zentrum für Infektiologie und Behandlungszentrum für hochkontagiöse Erkrankungen sowie als Beatmungs- und Intensivmedizinisches Zentrum ist sie in Zusammenarbeit mit weiteren Fachdisziplinen ein Garant Patientinnen und Patienten der Charité die modernsten Erkenntnisse im klinischen Alltag zu Gute kommen zu lassen. Der besondere wissenschaftliche Schwerpunkt der Klinik liegt in der Erforschung der Lungenentzündung (Pneumonie). Hier bündeln sich die Aktivitäten von zahlreichen Forscherinnen und Forschern verschiedener universitärer und außer-universitärer Einrichtungen sowie unserer klinisch tätigen Arztinnen und Ärzte. 

 

Warum Erforschung der Lungenentzündung?

 

Diese schwere Erkrankung gehört zu den bedeutendsten Volkskrankheiten weltweit und führt in Deutschland vergleichsweise genauso häufig zu einer Krankenhausaufnahme wie beispielsweise ein Herzinfarkt oder der Schlaganfall. Trotz des Einsatzes von Antibiotika und intensivmedizinischer Therapie liegt ihre Sterblichkeit seit Jahrzehnten unverändert bei über 10%. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass der angeborenen Immunität der Lunge eine Schlüsselrolle für das Überleben der Erkrankung zukommt. Mit Unterstützung von DFG und BMBF geförderten nationalen Netzwerken und Konsortien widmen wir uns demnach der systematischen Erforschung dieser Volkskrankheit.

 

Das Kompetenznetzwerk „Ambulant erworbene Pneumonie“ (CAPNETZ), verfügt über die weltweit größte Datenbank dieser Infektionserkrankung. Dabei erfolgte in wegweisender Manier die konsequente Verknüpfung von Patientenproben mit klinischen Daten. Darauf aufbauend konnte unter Einbindung des Kompetenznetzes SepNet sowie des nationalen Gentomforschungsnetzes „Infektion und Entzündung“ das weiterführende Kompetenznetz PROGRESS etabliert werden. Dort steht die Ermittlung der Determinanten des Übergangs von unkomplizierter ambulant erworbener Pneumonie (uCAP) zu schwerer CAP (sCAP) bis hin zu CAP, die zum septischen Schock führt (ssCAP) im Mittelpunkt. PROGRESS  verknüpft mit Daten aus DNA-, RNA- und Proteinprofilen grundlegende molekulare Krankheitscharakteristika mit klinischen Aspekten der Infektion, sodass die Identifizierung von neuen Biomarkern und Signaturen („Fingerabdrücke“) möglich wird. Diese entstehende Komplexität kann nur mit Hilfe innovativer methodischer Forschungsansätze zur Auswertung kommen. Folgerichtig nehmen wir im Netzwerk CAPSyS die bio-mathematische Modellierung dieser Erkrankung vor.

 

Neben der patientennahen Versorgungs- und Biomarkerforschung steht im Rahmen des transregionalen Sonderforschungsbereichs SFB-TR84 die Analyse von Grundlagen der angeborenen Immunität der Lunge im Fokus. Von molekularen Mechanismen der Pathogen-Lungeninteraktion, der Bedeutung von Immunzellen, bis hin zu innovativen Therapiekonzepten, werden hier translationale Prinzipien der Pneumonie adressiert. Neuartige Zugangswege unter Einbeziehung menschlichen Lungengewebes und modernster Bildgebung tragen dabei zur Entwicklung dreidimensionaler Krankheitsmodelle und zur Vermeidung von Tierversuchen bei. Diese Modelle erlauben uns wiederum, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie und dem Robert-Koch Institut, die rasche Risikoeinschätzung für neuauftretende Viren, wie MERS-Corona oder Influenza, zu evaluieren. In dieser Ausrichtung liegt auch das neue landesweite BMBF-Forschungsnetz „Risk assessment in pre-pandemic respiratory infectious diseases“ (RAPID).

 

Diese konsequente Erforschung ermöglicht erstmalig eine systemmedizinische Betrachtung dieser Volkskrankheit und trug bereits wesentlich zur Erarbeitung der nationalen S3-Leitlinie zur ambulant erworbenen Pneumonie bei. Inhäusig entwickelte Therapiestrategien zum Lungenversagen (z.B. EMEA/OD/139/09) werden derzeit konsequent weiterverfolgt. 

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